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Johann Strauß: Die Fledermaus

Champagner, Masken, Intrigen: das Wichtigste über die Kult-Operette des Walzerkönigs Johann Strauß.

Was »Dinner for One« im Fernsehen, ist Johann Strauß’ Operette »Die Fledermaus« auf der Bühne: Ein Klassiker zu Silvester, der hierzulande rauf und runter gespielt wird und in dem es hauptsächlich ums Trinken geht. Oder kurz gesagt: einfach Kult! Denn hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten. Und wie sollte es auch anders sein? Strauß’ mit Wortwitz und grandiosen Melodien gespickte Partitur, die der champagnerfreudigen Bussi-Bussi-Gesellschaft den Spiegel vorhält, gilt nicht ohne Grund als Höhepunkt der Goldenen Operettenära. Bis heute ist »Die Fledermaus« die einzige Vertreterin ihrer Gattung, die an der altehrwürdigen Wiener Staatsoper aufgeführt wird.

Bo Skovhus (Gabriel von Eisenstein) / Astrid Kessler (Rosalinde)
Bo Skovhus (Gabriel von Eisenstein) / Astrid Kessler (Rosalinde) © Daniel Dittus

Konzertmitschnitt:

»Die Fledermaus«: Übertragung vom 1. Januar 2019 aus der Elbphilharmonie

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Infos zum Konzert

Eindrücke aus dem Elbphilharmonie-Backstage:

Die Handlung

Gabriel von Eisenstein muss wegen Beamtenbeleidigung ein paar Tage ins Gefängnis. Sein Freund, der Notar Dr. Falke, überredet ihn, sich davor noch einmal ordentlich zu amüsieren – auf dem Ball des Prinzen Orlowsky. Doch eigentlich plant Dr. Falke nur seine Rache: Denn Eisenstein ließ ihn vor vielen Jahren nach einem Maskenball im Kostüm einer Fledermaus betrunken nach Hause irren, und machte ihn damit zum Gespött der Stadt. Nun soll er dafür büßen.

Dr. Falke lädt also Eisenstein, dessen Frau Rosalinde und ihre Zofe Adele zum Ball. Da alle verkleidet sind und Eisenstein die maskierten Gäste nicht erkennt, flirtet er wild drauf los und blamiert er sich der Reihe nach bei allen Anwesenden. Doch auch die anderen Gäste haben ihre Laster: Auf dem Ball gerät alles durcheinander, man verbrüdert sich, ein jeder gibt vor, ein anderer zu sein. Und zum Schluss: schiebt man die Schuld auf den Champagner.

Theresa Dlouhy (Ida) / Katharina Konradi (Adele) / Markus Butter (Gefängnisdirektor Frank)
Theresa Dlouhy (Ida) / Katharina Konradi (Adele) / Markus Butter (Gefängnisdirektor Frank) © Daniel Dittus

Wer mir beim Trinken nicht pariert, sich zieret wie ein Tropf, dem werfe ich ganz ungeniert die Flasche an den Kopf!

Prinz Orlofsky, 2. Akt

Die Entstehung

Doch bei all dem oberflächlichen Spaß – die Komposition der Operette fällt in eine Epoche, die geprägt ist von einer starken gesellschaftlichen Spannung. Nach dem großen Börsenkrach von 1873 gerät die alte Ordnung in der kaiserlich-königlichen Residenzstadt Wien ins Wanken. Die Arbeiterbewegung erstarkt, das Individuum gewinnt an Bedeutung. Die Musik, auch die »klassische«, verabschiedet sich vom Adel und sucht den Kontakt zum Bürgertum.

Johann Strauß
Johann Strauß

Er trieft von Musik, ihm fällt immer etwas ein

Johannes Brahms über Strauß

Johann Strauß wusste, was zu tun war. Er komponierte Musik, die für jeden zugänglich ist, und die zugleich zu Herzen geht. Getreu dem Motto »Gut ist, was ankommt« schrieb er klare, eingängige Melodien und schmissige Rhythmen, sein Walzer »An der schönen blauen Donau« machte ihn als »Walzerkönig« auf der ganzen Welt bekannt. Mit Ende 40 wagte Strauß dann noch einmal etwas Neues und komponierte seine ersten »komischen Opern«, wie er die Operetten selbst nannte. Die 1874 aufgeführte »Fledermaus« war ein voller Erfolg und ist bis heute sein vielleicht berühmtestes Werk.

Adrian Angelico (Prinz Orlofsky)
Adrian Angelico (Prinz Orlofsky) © Daniel Dittus

Die Musik

Strauß’ zahlreiche Ohrwürmer haben auch nach mehr als 140 Jahren nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Viele Nummern, ­darunter etwa Adeles Lach-Arie »Mein Herr Marquis« oder das »Uhren-Duett« haben auch losgelöst von der Operette eine Karriere als Bravourarien auf der Konzertbühne gemacht. Und natürlich darf auch die ebenso schmissige wie raffinierte Ouvertüre, die die zahlreichen musikalischen Höhepunkte des gesamten Werkes zusammenfasst (beziehungsweise vorwegnimmt), bei keinem stilechten Neujahrskonzert fehlen.

Natürlich gibt es bei einem Ball auch Tanzmusik, hervor stechen unter anderem der »ungarische« Csárdas der Rosalinde sowie eine Ballett-Einlage, die von Aufführung zu Aufführung unterschiedlich ausgestaltet wird. Und dann wäre da noch, natürlich, der Walzer, den Strauß an zahlreichen Stellen geschickt einbaute und der das ganz besondere Wienerische Flair erzeugt.

Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist

Die Fledermaus, 1. Akt

Caroline Peters (Frosch)
Caroline Peters (Frosch) © Daniel Dittus

Der Frosch

Regelrechten Kultstatus genießt neben der Musik die Sprechrolle des Gerichtsdieners »Frosch«, der zu Beginn des dritten Aktes – selbstredend gut angeheitert – die Bühne betritt und dem Gefängnisdirektor Frank berichten soll, was in der Zwischenzeit so alles vorgefallen ist. Dieser nutzt den Bericht jedoch für eine mehr oder weniger improvisierte Persiflage, die Bezug auf reale aktuelle und örtliche Ereignisse nimmt. Ursprünglich als Minirolle angelegt, bekam »Frosch« im Laufe der Jahre immer mehr Gewicht und wird heute meist von namhaften Schauspielern und Kabarettisten verkörpert – so wie in der Elbphilharmonie von Caroline Peters.

Vielleicht ist es genau diese Mischung aus zeitlosen Wahrheiten und Gegenwartsbezug, die »Die Fledermaus« auch heute noch zu einem der beliebtesten Bühnenwerke überhaupt macht. Und natürlich die unsterblichen Melodien des großen Johann Strauß.

Autor: Simon Chlosta

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