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Internationales Musikfest Hamburg – ein Rückblick

Das Musikfest ist endlich an seinem Bestimmungsort angekommen – der Elbphilharmonie.

Man könnte glatt katholisch werden nach so einer Aufführung.

Das Hamburger Abendblatt über das Verdi-Requiem der Mailänder Scala / The Hamburger Abendblatt on the Verdi Requiem by La Scala, Milan

62 Konzerte mit 41 unterschiedlichen Programmen und insgesamt 78.000 Gästen: Am 30. Mai feierte das 3. Internationale Musikfest Hamburg mit zwei ausverkauften Konzerten in der Elbphilharmonie und der Laeiszhalle sein Finale. Gut vier Wochen unter dem Festivalmotto »Utopie« und mit großen Gastspielen wie der Mailänder Scala und des Philadelphia Orchestra sowie mit Schwerpunkten zum Musiktheater, zu Filmmusik und dem Komponisten Karlheinz Stockhausen gingen damit zu Ende.

Alle Veranstaltungen im Überblick

Nach zwei Ausgaben vor Eröffnung der Elbphilharmonie ist das Musikfest nun an seinem Bestimmungsort angekommen – und findet ab jetzt jährlich statt. Auch die nächste Ausgabe wird in einer großangelegten Kooperation von Hamburger Veranstaltern und Spielstätten außergewöhnliche Produktionen, internationale Stars und Meisterwerke der Musik der Gegenwart bündeln. Unter dem Motto »Identität« beginnt das 4. Internationale Musikfest Hamburg am 27. April 2019.

Peter Eötvös / Symphonieorchester der Hochschule für Musik und Theater Hamburg / Europa Chor Akademie Görlitz
Peter Eötvös / Symphonieorchester der Hochschule für Musik und Theater Hamburg / Europa Chor Akademie Görlitz
Peter Eötvös / Symphonieorchester der Hochschule für Musik und Theater Hamburg / Europa Chor Akademie Görlitz
Forum Neue Vokalmusik
Stockhausen: »Gruppen« / Radio-Symphonieorchester Wien

Jenseits von Raum und Zeit: Werke von Karlheinz Stockhausen auf Kampnagel und im Mehr! Theater

»Mut zur Gegenwart« war das Motto von Karlheinz Stockhausen (1928-2007). Er zählt zu den bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts und zu den Vertretern einer radikalen Kehrtwende in der Musik nach 1945. Radikal sind auch seine Werke. Ein Werk wie »Gruppen« sieht nicht weniger als drei gleichzeitig spielende Orchester vor – eine Besetzung, die selbst die räumlichen Möglichkeiten der Elbphilharmonie sprengt. Aufgeführt wurden die »Gruppen« deshalb schon in Sporthallen und Flughafenhangars, beim Internationalen Musikfest waren sie in der großen Halle des Mehr! Theaters zu hören.

Auch Ausschnitte aus seiner Oper »Licht« gehörten zum Stockhausen-Schwerpunkt des Musikfests: Mit einer Gesamtdauer von 29 Stunden ist das Werk der längste Opernzyklus der Musikgeschichte. Sieben Tage der Woche hat Stockhausen hier zu sieben Opern verwoben – ein Zyklus, der noch nie komplett aufgeführt wurde. Mit »Donnerstag« aus »Licht« war im Rahmen des Internationalen Musikfests das Symphonieorchester der Hochschule für Musik und Theater Hamburg zu erleben.

Video: Trompeter Paul Hübner über Stockhausen

Peter Eötvös / Symphonieorchester der Hochschule für Musik und Theater Hamburg / Europa Chor Akademie Görlitz
Sciarrino: »Lohengrin« / Sarah Maria Sun
Sciarrino: »Lohengrin« / Sarah Maria Sun

Ein Werk der Extreme opulent inszeniert: Sciarrinos »Lohengrin« im Kleinen Saal der Elbphilharmonie

Unter der Regie von Michael Sturminger, einem der renommiertesten österreichischen Regisseure, verkörperte die Sopranistin Sarah Maria Sun gleich an drei Abenden im Kleinen Saal der Elbphilharmonie die »Elsa« aus der Lohengrin-Vertonung des italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino. Opulent inszeniert schöpfte die Kammeroper aus allen Möglichkeiten, die der Kleine Saal der Elbphilharmonie bereit hält.

Sciarrino legt der Sängerin eine Klangsprache in den Mund, die an die Grenzen menschlicher Artikulation vorstößt: mit Schluck-, Schmatz- und Gurrlauten, von Sarah Maria Sun ebenso eindringlich in ihr Spiel integriert wie die weltverlorenen, mit dunkler Altfärbung rezitierten Sprechpassagen. In beklemmender Intensität verkörpert Sun die Abstürze, Wahnvorstellungen und erotischen Fantasien, aber auch Momente der Klarheit.

Hamburger Abendblatt

Public Viewing zum Hamburger Hafengeburtstag

Tausende genossen während des Hamburger Hafengeburtstags die Möglichkeit, Highlights der vergangenen Elbphilharmonie-Saison unter freiem Himmel zu erleben. Vor der Elbphilharmonie waren Mitschnitte der Beethoven-Reihe mit Dirigent Gustavo Dudamel, Kinderkonzerte, Jazzkonzerte, das Konzert von The National aus dem Oktober 2017 und ein Livestream des NDR Elbphilharmonie Orchesters aus dem Großen Saal zu sehen.

Den Stream des NDR Elbphilharmonie Orchester jetzt als Video on Demand anschauen
stargaze / David Bowie: Blackstar
stargaze / David Bowie: Blackstar

Utopist der Popkultur: David Bowie

Kaum ein Popkünstler hatte mehr Alter Ego als er. Das Ensemble stargaze und die Sängerinnen Anna Calvi und Anja Plaschg widmeten sich einem der größten Utopisten der Popkultur: David Bowie. Im Großen Saal der Elbphilharmonie brachten sie sein letztes Album »Black Star« in neu arrangierter Fassung zur Aufführung.

»Look up here, I´m in heaven«: Mehr über den Verwandlungskünstler David Bowie und sein letztes Album

2.000 Menschen, von denen viele wohl keine Ahnung hatten, dass ihnen so etwas gefallen würde, erlebten, dass es ihnen sehr gefiel.

Hamburger Abendblatt

Experten für die Musik der Moderne – das Kronos Quartett

Seit seiner Gründung 1973 hat das Kronos Quartett nicht weniger als 400 Kompositionen in Auftrag gegeben – bei Zeitgenossen in aller Welt. Kaum ein Ensemble kann behaupten so am Puls der Zeit zu sein wie das US-amerikanische Streichquartett. Sein Auftritt im Großen Saal wurde zu einem Highlight des Festivals.

Das Kronos Quartet legte fast drei Stunden lang 16 Teile eines unendlich großen musikalischen Mosaiks nebeneinander. Größtenteils brandneue Musik. Von Menschen aus Serbien, Ägypten, Kanada, Iran, China, Aserbaidschan, Indien, den USA und Syrien. Kleine Trommeln kamen zum Einsatz, chinesische Becken, Glöckchen und bunte Heulschläuche.

Hamburger Abendblatt

Grandios inszeniert

Die Welt über »Frankenstein« / Die Welt on »Frankenstein«

Bitterböse Kapitalismuskritik und künstliche Menschen

»Utopie« war das Motto des 3. Internationalen Musikfests Hamburg. Da ist ihr Gegenteil – die Dystopie – nicht weit. In Brechts »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« oder Fritz Langs Stummfilmklassiker »Metropolis«, der im Großen Saal der Elbphilharmonie live vom Ensemble Modern vertont wurde, werden gesellschaftliche Entwicklungen ins Extreme verzerrt. Stoffe, die heute aktueller sind denn je.

Urtyp aller Dystopien ist nach wie vor Mary Shelleys »Frankenstein«. Zum 200-jährigen Jubiläum des Romans brachte der Hamburger Komponist Jan Dvorák seine Frankenstein-Gothic-Opera im Rahmen des Internationalen Musikfests zur Uraufführung.

Elbphilharmonie Magazin 2/2018
Frankenstein
Frankenstein
Frankenstein

Standing Ovations am Ende eines knapp dreistündigen Abends und die bittere, zutiefst pessimistische Erkenntnis, dass die Wirklichkeit den Stoff von 1930, den entfesselten Kapitalismus und seine entsetzlichen Folgen, längst eingeholt hat.

Die Welt über »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« / Die Welt on »Rise and Fall of the City of Mahagonny«

Video-Rückblick: 3. Internationales Musikfest Hamburg

Skulptur 3. Internationales Musikfest Hamburg

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