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»Frankenstein«: Grusel-Oper auf Kampnagel

Am 20. Mai findet die Uraufführung der Oper »Frankenstein« auf Kampnagel statt. Komponist Jan Dvořák erzählt, was das Publikum erwartet.

Musiktheater beim 3. Internationalen Musikfest Hamburg

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Politisches Statement, Zukunftsvision, Schauergeschichte: Im Jahr 1818 schrieb die 19-jährige Mary Shelley die Geschichte von Frankenstein, dem jungen Wissenschaftler, der einen künstlichen Menschen erschafft, der zum Monster mutiert und ihn und sich selbst in den Tod treibt. Nun, 200 Jahre später ist das Material des Romans immer noch hochaktuell und wird auf Kampnagel vom Hamburger Komponisten Jan Dvořák und dem Berliner Film- und Opernregisseur Philipp Stölzl (»Der Medicus«, »Winnetou«) erzählt. Das Publikum erwartet eine Gothic Opera zwischen Naturklängen, Schockeffekten und schwarzer Neoromantik. Wir haben Jan Dvořák fünf Fragen zu dieser Produktion gestellt.

5 Fragen an Jan Dvořák (Komponist)

Es gibt viele Filme und Inszenierungen der Frankenstein-Geschichte. Was macht für Sie die Faszination aus?

Der Gruselaspekt dieses Buchs ist seit Boris Karloff [britischer Theater- und Filmschauspieler, spielte 1931 die Rolle des Monsters in Frankenstein] ziemlich totgeritten worden. Zuletzt war eigentlich nur noch ein humoristischer Zugriff denkbar. Beim wiederholten Lesen des Buches stellte ich überrascht und begeistert fest, dass es sich in Wirklichkeit um eine sehr philosophische Schauergeschichte handelt. Mary Shelley schreibt eigentlich den Entwicklungsroman eines künstlichen Wesens und beleuchtet über diesen futuristischen Blickwinkel unser Menschsein. Triviales und Komplexes, Kammerspiel und Roadmovie durchdringen sich unablässig. Und das alles von einer 19jährigen Autorin! 

Was war für Sie der Auslöser, sich dieser Geschichte musikalisch zu widmen?

Der Filmregisseur Philipp Stölzl und ich beschäftigten uns mit »Frankenstein« für eine Schauspielinszenierung in Basel. Ich war für Buch und Bühnenmusik zuständig. Im Laufe der Arbeit wurde das Ganze immer musikalischer, immer mehr zum Musiktheater. Am Ende stand durch den Intendanten Georges Delnon auf einmal die Frage im Raum, ob man den Stoff nicht zu einer Oper weiterentwickeln könnte. Ich war begeistert. 

Die Inszenierung in Basel war ja damals ein großer Erfolg. Was wird in Hamburg anders / ähnlich, was erwartet die Zuschauer auf Kampnagel?

Viele Elemente der Basler Inszenierung haben wir übernommen – besonders freut mich, dass die großartige Monsterpuppe gerettet werden konnte. Sie wird von drei Puppenspielern gespielt und ist 2,50 m groß! Für mich waren die Tonfälle und das Timing der Basler Schauspieler eine ständige Inspiration für die Komposition. Ich glaube, wenn alles gut geht, wird man eine perfekte Symbiose von Musik, Handlung und ständig wechselnden Bühnenbildern erleben. Und als Publikum sitzt man in unmittelbarer Nähe zum Geschehen, ohne Orchestergraben…

Eindrücke aus den Proben zur »Frankenstein«-Oper

Musiktheater: Frankenstein

Meine Musik entsteht aus der Szene, ich bin ein Theatermensch.

Jan Dvořák

Welche Musik erwartet das Publikum? Und wie greifen Musik und Theater ineinander, um die Frankenstein-Geschichte zu erzählen?

Meine Musik entsteht aus der Szene, ich bin ein Theatermensch. Ich hoffe, die Klänge des 25köpfigen Orchesters werden für die Sänger am Ende zu einer Lebenswelt werden, mit allen Höhen und Tiefen. Seit ich komponiere, arbeite ich an der Weiterentwicklung der populären Musik zu einem wirklich durchkomponierten Musikstil. Ich glaube, mit diesem Stück bin ich meinem Ziel wieder ein Stück näher gekommen. 

Für mich ist das Buch eines der zentralen Bücher unseres Zeitalters.

Jan Dvořák

Dieses Jahr wird der Roman von Mary Shelley 200 Jahre alt. Welche Bedeutung hat diese Erzählung von 1818 im Jahr 2018?

Für mich ist das Buch eines der zentralen Bücher unseres Zeitalters, ein Gründungsmythos unserer wissenschaftlichen Moderne. Die Technik greift seitdem immer intimer in unser Leben ein, verschmilzt mit uns. Ohne, dass wir es uns bewusst sind, werden wir so selbst immer mehr selbst zu Frankensteins Monstern, zu Cyborgs. Die ethischen Fragen, die diese Entwicklungen aufwerfen, lassen sich nicht mehr aus dem Bauch beantworten. Angst alleine wird uns nicht raten können, denn die Entwicklung schreitet trotzdem voran. Daran scheitert letztlich Dr. Frankenstein – und ich hoffe, wir lernen daraus!! 

Interview: Julia Mahns

Frankenstein beim 3. Internationalen Musikfest Hamburg ist eine Produktion der Staatsoper Hamburg in Kooperation mit Elbphilharmonie Hamburg und Kampnagel (Adaption der Produktion des Theater Basel).

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