Zum Inhalt springen

Worldwide

Ein Jahr Instrumentenwelt

»Musik entdecken durch Selbermachen« heißt es nun schon seit einem Jahr im Bauch des Kaispeichers – Zeit für eine Zwischenbilanz.

Am 23. Januar 2017 besuchte die erste Schulklasse einen Instrumentenworkshop in den frisch eingerichteten Kaistudios, im Kaispeicher der Elbphilharmonie. Damit war der neue Standort eröffnet – die Instrumentenwelt trat offiziell die Nachfolge des von Gerd Albrecht gegründeten Klingenden Museums an, das zuvor im Souterrain der Laeiszhalle über viele Jahre junge Leute für Musik begeisterte.

Nach einem Jahr waren nun bereits 18.000 Besucher in den neuen Räumen der Elbphilharmonie zu Gast – viele von ihnen Schüler, die an einem von zehn verschiedenen Schulworkshops teilgenommen haben. Benjamin Holzapfel, der Leiter der Instrumentenwelt, zieht eine positive Bilanz.

Instrumentenwelt

Was ist in der Elbphilharmonie anders als in der Laeiszhalle?

Den Kern der Workshops, das Ausprobieren verschiedener Instrumente, haben wir aus dem Klingenden Museum übernommen. Wir haben das aber methodisch alles ein bisschen ausgebaut und auch viele neue Instrumente dazu bekommen.

Neben den klassischen »Klassiko Instrumentenworkshops« bieten wir auch einige neue Dinge an, etwa »Kreativ Komposition«, »Kosmos Gamelan« mit unserem neuen Gamelanorchester, »Kosmos Percussion« oder die »Kreativ Klangsafari«, bei der die Teilnehmer das Haus mit den Ohren erkunden.

Wie ist die Resonanz nach dem ersten Jahr?

Wahnsinnig gut. Ich erlebe das auch selbst bei allen Workshops, bei denen ich dabei bin: Sowohl wie die Schüler reagieren, als auch das Feedback von den Lehrern, das ist durchweg sehr positiv. Es gibt auch viele Lehrer, die ihre Schüler ganz anders erleben und erstaunt sind, wie sehr sie sich konzentrieren, wie sehr auch in schwierigen Klassen alle total dabei sind – etwa bei den Abschluss-Arrangements, die wir am Ende immer zusammen spielen.

Bläsertage

Oft sind Lehrer erstaunt, wie konzentriert ihre Schüler hier sind

Benjamin Holzapfel

Ich glaube schon dass wir mit den Kursen etwas in Gang setzen können

Benjamin Holzapfel

Was nehmen die Klassen mit?

Ich glaube schon, dass wir mit den Kursen etwas in Gang setzen können, sowohl bei den Schülern, die hier etwas Neues entdecken, Instrumente kennenlernen, die sie teilweise später lernen wollen. Aber auch bei den Lehrern, die ihre Schüler von einer anderen Seite kennenlernen und vielleicht den einen oder anderen Input mitnehmen in ihren Unterricht. Am Ende machen wir immer eine Führung durch das Haus, den Backstage-Bereich – das ist natürlich auch für alle sehr spannend.

Doch die Kurse sind nicht nur für Kinder?

Nein, wir haben auch offene Angebote, nachmittags und am Wochenende, wo Leute allen Alters kommen können. Im Klingenden Museum in der Laeiszhalle war das früher noch begrenzt, auf zwei Erwachsene pro Kind. Wenn dann zum Beispiel ein Kind mit beiden Eltern und der Oma gekommen ist, musste ein Erwachsener draußen bleiben, weil es einfach nicht genug Platz gab. Das ist in der Elbphilharmonie anders, es können jetzt auch Erwachsene alleine kommen.

Wir haben sogar, auf vielfache Nachfrage hin, jetzt neu auch Kurse nur für Erwachsene. Das zeigt, dass das, was wir machen, wirklich ankommt.

Instrumentenwelt

Was funktioniert in den neuen Räumen besonders gut?

Wir haben ein großes Foyer, wo man ankommen und sich sammeln kann. Wir haben viele Räume und können entsprechend mehrere Gruppen parallel betreuen. Es gibt Platz um am Ende des Workshops auch ein Stück zusammen zu spielen, was sehr wichtig ist in unserem Konzept. Die Räume klingen sehr gut, man hört sich gegenseitig, und was die Logistik betrifft sind wir sehr froh mit unserem großen Lager vor Ort, aus dem wir auch zwischendurch mal schnell was austauschen können.

VOM KLINGENDEN MUSEUM ZUR ELBPHILHARMONIE INSTRUMENTENWELT

  • 1989: Gründung des Klingenden Museums durch den Dirigenten Prof. Gerd Albrecht
  • Start mit rund 40 Instrumenten, die meisten davon gespendet
  • In den ersten Jahren Verdreifachung des Instrumentenbestands
  • Standort: Museum für Kunst und Gewerbe, Träger: Hamburger Jugendmusikstiftung
  • Kurse für Schulklassen (nur montags) mit jährlich rund 1.500 Kindern
  • 1997: Umzug der Sammlung in die Laeiszhalle
  • 2003: neue Angebote für Familien mit Kindern
  • Kontinuierliche Steigerung von Besucherzahlen und Instrumentenbestand
  • 2009: Start der mobilen Einheit »Klingendes Mobil«
  • 2016: Umzug und Umbenennung in »Elbphilharmonie Instrumentenwelt«
Instrumentenwelt

Hat sich durch die neuen Räume auch eure Arbeit verändert?

Was hier an der Instrumentenwelt besonders schön ist: Die sehr unterschiedlichen Workshops beginnen, sich gegenseitig zu inspirieren. So werden dann beispielsweise Elemente aus dem Kompositionsworkshops auch für den Instrumentenworkshop übernommen. Was in einem Kurs an Impulsen, Erfahrungen oder Feedback entsteht, greift in andere Kurse über. So entsteht ein großer Pool an Methoden und Ideen, auf die unsere Pädagogen zurückgreifen können, und so entwickelt sich das Angebot immer weiter.

Workshops Klingendes Mobil

Impulse aus den einen Kursen greifen in andere Kurse über

Benjamin Holzapfel

Was habt ihr noch vor in der Instrumentenwelt?

In der Elbphilharmonie sind wir natürlich ganz nah dran an vielen spannenden Künstlern und Projekten. Wir versuchen da auch was mit in die Kurse zu übernehmen und etwa Musiker in die Workshops einzubinden, vor Ort und auch in den Kindergärten, in die wir nach wie vor mit dem Klingenden Mobil fahren.

Daneben versuchen wir weiterhin, uns programmatisch an das ein oder andere Konzert oder Festival anzudocken und je nach Thema passende Sonderangebote, etwa zu Jazz oder Alter Musik, zu entwickeln.

Die »Klassiko Orchesterinstrumente« und das Klingende Mobil werden gefördert durch die Hubertus Wald Stiftung.

»Kosmos Percussion« wird gefördert durch die Stiftung Elbphilharmonie aus Mitteln des Körber Fonds »ZukunftsMusik«.

Weitere Artikel