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Der Taktstock-verweigerer

Kein Dirigent auf dem Planeten verursacht derzeit größere musikalische – und mediale – Erdbeben: Teodor Currentzis.

Für die einen Messias, für die anderen Enfant terrible der Klassikszene: Teodor Currentzis, Stardirigent mit griechisch-russischen Wurzeln, geht in seinen hochenergetischen und radikal subjektiven Interpretationen bis an die Grenzen und darüber hinaus. Bislang war er vorwiegend in der freien Szene selbstgegründeter Ensembles aktiv. Doch seit Herbst 2018 ist er auch Chefdirigent des fusionierten SWR Symphonieorchesters – und in der Saison 2018/19 gleich sieben Mal in der Elbphilharmonie zu erleben.

Durch die Musik entdecken wir die verletzlichen und gefährlichen Seiten in uns, unsere versteckten Geheimnisse.

Teodor Currentzis

Um den Dirigenten in Springerstiefeln und roten Schnürsenkeln, der keinen Taktstock anrührt und in der waldigen Einöde nahe des Ural lebt, herrscht in der Klassikwelt ein Hype sondergleichen. Denn Currentzis sucht in seinen exzentrischen, radikal individuellen Interpretationen die Extreme, zelebriert das Unerwartete. »Manche Dinge glauben wir so gut zu kennen, doch in Wahrheit wissen wir gerade über sie am wenigsten«, so Currentzis. »Meine Mission: zuerst alles vergessen, dann neu entdecken.«

Teodor Currentzis

Teodor Currentzis auf dem Dach der Elbphilharmonie

»La Traviata« im Großen Saal

Oktober 2018

Teodor Currentzis und Yasuhisa Toyota

Fachsimpeln über Akustik

musicAeterna chorus of Perm Opera

Chorus and Orchestra of Perm Opera

Oktober 2018

Exzentriker am Pult

Gegen das System

Diese musikalische Vision verwirklicht Currentzis schon seit Jahren mit seinem selbst gegründeten Chor und Ensemble musicAeterna, die er 2011 ins russische Perm holte. In der Abgeschiedenheit am Ural schuf er als künstlerischer Leiter der Staatsoper und des Ballett-Theaters ein kulturelles Gegengewicht zu den Metropolen Moskau und Sankt Petersburg. »Hier können wir die Musik erschaffen, die wir wollen – das geht nicht in den Zentren der Massen«, sagte Currentzis einmal über seine Wirkungsstätte. »Im Exil, erschaffen wir etwas Neues gegen das musikalische System.«

»Gegen das musikalische System« kommt vermutlich Teodor Currentzis’ musikalischem Credo sehr nahe, seiner exzentrischen Bühnenpräsenz und der gleichwohl spirituellen Mission und Hingabe, mit der er die Klassikwelt in Atem hält. Längst steht Currentzis auch als Gastdirigent am Pult der gefragtesten Orchester; und besonders seine jüngste Liaison mit dem ehrwürdigen SWR Symphonieorchester – sein erstes festes Engagement in der traditionellen Orchesterlandschaft – sorgte für Aufsehen.

Manche Dinge glauben wir so gut zu kennen, und wissen in Wahrheit am wenigsten über sie. Meine Mission als Musiker: Vergessen und neu entdecken.

Teodor Currentzis

Phänomen Teodor Currentzis

Acht Monate lang begleitete der Filmemacher Andreas Ammer den griechisch-russischen Dirigenten. Entstanden ist die rund 60-minütige Dokumentation »Die Sprache unserer Träume«.

Teodor Currentzis in der Elbphilharmonie

Teodor Currentzis

Currentzis im Portrait

Teodor Currentzis ist Residenzkünstler der Saison 2018/19 in der Elbphilharmonie – und in diesem Zuge gleich sieben Mal mit ganz unterschiedlichen Programmen zu Gast in Hamburg. Zu den Konzerten

Grund genug, den derzeit am heißesten gehandelten Dirigenten nun für eine siebenteilige Residenz nach Hamburg zu holen. Im Rahmen seines Portraits in der Elbphilharmonie bringt Teodor Currentzis sein Ensemble musicAeterna vier Mal in den Großen Saal, zwei Mal steht er dort am Pult des SWR Symphonieorchesters, ein weiteres Mal dirigiert er das Mahler Chamber Orchestra. Mit Programmen, die ebenfalls die Extreme suchen: Requien von Verdi und Brahms, Schostakowitschs »Leningrader«, Verdis »La Traviata«sowie die Choroper »Tristia«von Philippe Hersant, die Gedichte von Kriegsgefangenen vertont.

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