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5 Fragen an Mouse on Mars

Am 24.8.2018 spielte das Elektronik-Duo Mouse on Mars in der Elbphilharmonie. Vorab erzählten uns Jan St. Werner & Andi Toma, was ihr neues Album, Aliens und die Elbphilharmonie verbindet.

Elbphilharmonie Sommer

Zu den Konzerten

Seit über 25 Jahren machen Jan St. Werner und Andi Toma von Mouse on Mars gemeinsam Musik. Mit ihrem neuen Album »Dimensional People« waren sie im Rahmen des Elbphilharmonie Sommers 2018 im Großen Saal zu Gast.

Mouse on Mars

Der Auftritt von Mouse on Mars am 24.8.2018 in der Elbphilharmonie.

Am 24.8.2018 spielt ihr beim Elbphilharmonie Sommer zum ersten Mal als Mouse on Mars im Großen Saal der Elbphilharmonie, einem klassischen Konzertsaal. Was erhofft ihr euch von diesem Ort?

Als wir Teil der »Reflektor«-Reihe mit Bryce Dessner waren, haben wir die Elbphilharmonie und ihre Säle kennengelernt. Jan stand mit The National auf der Bühne und hatte den Eindruck, in einem Science Fiction Film von Luc Besson zu stehen. Die Balkone, die amorphe, mehrschichtige Anordnung der Ebenen, das hybride Material der Architektur schafften den Eindruck eines »parliament of aliens«, einem Ort, an dem Völker ferner Galaxien zusammen kommen und sich in eigenartigen, nach Musik klingenden Sprachen verständigen können. Auf unserem Album gibt es nun das dreiteilige Stück mit diesem Namen. Die Elbphilharmonie war so gesehen bereits ein Teil der »Dimensional People«-Idee, bevor wir die Einladung zum Konzert bekamen.

Mouse on Mars: Dimensional People (Album Trailer)

Mouse on Mars / Dimensional People

Auf der Bühne setzen wir verschiedene Aspekte des Albums in Beziehung und kontrastieren sie: die von den Sonic Robots aktivierten Objekte und Instrumente, modifizierte Lichtmaschinen, die wir zusammen mit Matthias Singer so umbauen konnten, dass sie auch Töne produzieren können, abstrakte elektronische Sounds, die mit Software, Controllern und Synthesizern erzeugt werden, akustische Klänge von Perkussion, Bläsern und Streichern und die Bearbeitungen dieser Instrumente durch Effekte, Stimmen von Sängern und verstärkte elektrische Instrumente, wie Gitarre, Bass und elektronisches Schlagzeug. Das Ganze ist ein bewegliches Kaleidoskop, das den Großen Saal der Elbphilharmonie mit in die Komposition einbezieht.

Die Balkone, die mehrschichtigen Ebenen, das hybride Material der Architektur – der Große Saal wirkt wie ein ›parliament of aliens‹. Ein Ort, an dem Völker ferner Galaxien zusammen kommen.

Mouse on Mars

Wie war die Arbeit an eurem neuen Album »Dimensional People« und wie würdet ihr das Ergebnis beschreiben?

Das lässt sich in Kürze nicht beschreiben. Die Aufnahmen sind an unterschiedlichen Orten unter so unterschiedlichen Vorraussetzungen enstanden, dass man es eigentlich kaum glauben kann, daß daraus eine konsistente Platte entstanden ist. Es sind ja an die 50 Musiker beteiligt, jede Aufnahme hat ihre eigene Geschichte und Relevanz.

Dokumentarfilm zur Entstehung von »Dimensional People«

Mouse on Mars

Das Video, das das Team um Holger Wick von Sense Media / electronic beats gedreht hat, dokumentiert den Prozess ziemlich gut, obwohl er natürlich verkürzt darstellt wird. Wie es den Musikern vorkam, kann man ganz gut in einem selbstgemachten Podcast mit Zach Condon hören, den unser Label Thrill Jockey auf soundcloud gestellt hat.

Wir hören in die Welt hinein und nehmen sie von innen heraus wahr. Musik machen können andere besser.

Mouse on Mars

Uns geht es vor allem um das Hören. Musik machen, mit anderen zusammenarbeiten, zu improvisieren und produzieren sind großartige Tätigkeiten. Aber den Resultaten dieser Aktivitäten zuzuhören und diese wieder zu vergrößern und daraus neue Strukturen zu ziehen, das ist das, was uns wirklich antreibt. In die Welt hineinzuhören und sie von innen heraus wahrzunehmen. Musik machen können andere besser.

Ihr habt euch zu diesem Album viele Gastmusiker hinzugeholt und werdet auch in der Elbphilharmonie einige dabeihaben. Wie habt ihr die Musiker gefunden, die verstehen, worum es euch geht und eure Musik perfekt ergänzen?

Musiker findet man eigentlich nicht, die sind ja eh ständig um einen herum. In der Vergangenheit haben wir es eher vermieden, uns auf zu viele Musiker einzulassen. Bei »Dimensional People« haben wir allen die Studiotür geöffnet, die vorbeikamen. Eine Art Bürgerradio für idiosynkratische Klangproduzenten. 

Wir haben allen die Studiotür geöffnet, die vorbeikamen. Eine Art Bürgerradio für idiosynkratische Klangproduzenten.

Mouse on Mars über ihr neues Album

Der eine schiebt, der andere zieht die Holzrollen unter dem Boot weg und legt sie vorne wieder an.

Jan St. Werner & Andi Toma über ihre Zusammenarbeit

Ihr arbeitet nun schon seit 25 Jahren zusammen. Warum, glaubt ihr, funktioniert diese Zusammenarbeit schon über eine so lange Zeit hinweg?

Weil wir uns in Ruhe lassen können und einander intuitiv verstehen. Wir können uns ungefähr vorstellen, wie der jeweils andere handeln wird. Die Kommunikation funktioniert deshalb sehr schnell, wir arbeiten, ohne viel zu reden. Jeder ist für sich viel unterwegs und bringt Ideen mit, oder wir holen den anderen dazu, wenn wir etwas Interessantes entdeckt haben. Zu zweit geht das Produzieren schneller, das Reisen ist angenehmer, man kann Ideen weiter spinnen und besser an Dritte vermitteln. Wenn einem die Batterie ausgeht, kann der andere immer noch ein paar Kilometer weiterstrampeln. Als würde man ein schweres Boot durch die Wüste ziehen: Der eine schiebt, der andere zieht die Holzrollen unter dem Boot weg und legt sie vorne wieder an.

Und zum Schluss: Wie sieht euer perfekter Sommertag aus und was ist der beste Song dazu?

Die Sonne brennt, man döst auf einer Hängematte oder springt vom Boot ins Wasser. die Zeit fließt einem durch die Finger wie schmierige Sonnenmilch, gefilterte Stimmfetzen säuseln durch die Luft, auf den geschlossenen Augenlidern formieren sich bizarre Bilder. Die Band in der Bar nebenan eiert aus dem Takt, der Entertainer wirft willkürliche Fragmente aus Liedttexten und stereotypen Erzählungen ins müde Publikum. Mal klingt er ganz nah, mal weit entfernt, vielleicht weil der Wind die Hängematte sanft zum Schwingen bringt. Es gluckst, wenn das Wasser im Ohr wieder verdunstet. Robert Ashleys »Perfect lives« ist der Soundtrack dazu.

Interview: Julia Mahns

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