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5 Fragen an George Benjamin

Kaum ein Zweiter vermag es, so für zeitgenössische Musik zu begeistern wie der britische Ausnahmekomponist.

Bereits als Teenager wurde dem Komponisten George Benjamin ein Talent wie das des jungen Mozarts attestiert – von niemand Geringerem als seinem damaligen Lehrer Olivier Messiaen. Mittlerweile ist das ehemalige Wunderkind tatsächlich einer der renommiertesten Komponisten weltweit und kann ein vielseitiges Œuvre aus Kammermusik, großen Orchesterwerken und mittlerweile sogar drei Opern vorweisen. In seiner Residenz in der Elbphilharmonie gibt Sir George Benjamin einen Einblick in sein vielfältiges Werk.

Dass er nicht nur ein wahnsinnig guter Komponist ist, sondern auch ein unglaublich netter und humorvoller Zeitgenosse, hat der Brite in unseren »5 Fragen« unter Beweis gestellt.

Im November 2018 haben Sie Ihre »Multiversum«-Residenz in der Elbphilharmonie begonnen. Wie verlief der Entwicklungsprozess des Programms und die Auswahl der Stücke für diese Residenz?

Gespräche zu diesem Projekt haben bereits 2010 begonnen. Langgehegte Pläne kommen nun also nach langer Zeit endlich zum Abschluss. Seit 2010 haben sich aber auch in meinem Leben und in meiner Arbeit viele Dinge getan – darunter die Komposition zweier großer Opern, die beide auch auf dem Programm stehen werden.

Sie haben schon mit sieben Jahren angefangen zu komponieren. Wie kam es dazu und was war Ihre Motivation?

Ich habe mich in diesem Alter ganz einfach in die klassische Musik verliebt und den Ehrgeiz entwickelt, Komponist zu werden. Viele Kinder spüren einen ähnlichen Impuls, oft mit fast fanatischer Kraft; ich habe einfach weitergemacht und hatte das große Glück, während meiner Entwicklung auf wundervolle Lehrer zu treffen.

Ich hatte das große Glück, auf wundervolle Lehrer zu treffen.

George Benjamin

Ich finde es großartig, dass dieses Gebäude Musik von Komponisten unserer Zeit wertschätzt und präsentiert.

George Benjamin

Sie arbeiten als Komponist auf der einen sowie als Dirigent auf der anderen Seite. Sie betonen jedoch oft, dass das Komponieren für sie absolute Priorität hat; dass Sie nicht als komponierender Dirigent wahrgenommen werden möchten. Trotzdem dirigieren Sie in ihrer Elbphilharmonie-Residenz alle Konzerte selbst – hat sich Ihre Einstellung etwa geändert?

Es ist wahr, dass ich in meiner Residenz in der Elbphilharmonie alle Konzerte selbst dirigiere – aber das ist auch ein besonderes Projekt für mich. 2017 habe ich das ganze Jahr beispielsweise nur ein einziges Konzert dirigiert. Ich habe damals eine Oper geschrieben und habe daher nicht dirigiert. Es ist sehr schwierig, aus dem Dirigieren zu kommen und zum Komponieren zurückzukehren. Wenn ich also ein großes Stück schreibe, stoppt mein restliches Leben für eine kurze Zeit. Trotzdem genieße ich die Zeit zwischen meinen Stücken, wenn ich es mir erlaube, zu reisen und mit anderen Menschen Musik zu machen. Es wäre schlimm, damit gänzlich aufzuhören. Das Komponieren von Musik ist jedoch trotzdem das Wichtigste für mich.

Was verbindet Sie mit der Musikstadt Hamburg?

Ich glaube, dass dies bereits mein fünftes Mal in Hamburg ist. Eine meiner schönsten Erfahrungen war, als ich 2001 die große Ehre hatte, das letzte Orchesterstück von György Ligeti zu dirigieren – die Weltpremiere seines Hornkonzertes, des Hamburgischen Konzertes. Diese Saison ist jedoch mit Abstand das größte Projekt in dieser Stadt.

Welche Möglichkeiten für die Neue Musik bietet ein Haus wie die Elbphilharmonie?

Um die Musik am Leben zu erhalten, ist es wichtig, Neue Musik zu spielen – brandneue Musik oder Musik von vor hundert Jahren, die immer noch modern ist, wie Webern. In einem traumhaft schönen neuen Gebäude wie diesem ist dies umso wichtiger. Aber das sollte nicht nur aus Wohltätigkeit passieren – es ist auch eine Freude, Neue Musik zu spielen. Und ich hoffe, dass es für die Mehrheit der Zuhörer auch eine besonders intensive und aufregende Erfahrung ist – in mancher Hinsicht anders, als Musik von bekannten Komponisten zu hören, oder von Komponisten, die schon lange tot sind. Ich finde es großartig, dass dieses Gebäude Musik von Komponisten unserer Zeit wertschätzt und präsentiert.

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