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5 Fragen an Gautier Capuçon

In der Elbphilharmonie spielt der französische Cellist Dvořák. Mit dessen Cellokonzert verbindet er vor allem eins: eine große Liebesgeschichte.

Du hast bereits in der Elbphilharmonie gespielt. Wie fühlt es sich an, hier zu spielen?

Ich hatte schon das Vergnügen hier zwei Konzerte in diesem Jahr zu spielen. Das war eine großartige Erfahrung. Das Gebäude ist magisch. Ich habe viele Fotos der Elbphilharmonie gesehen und auch Videos, aber hier wirklich einmal auf der Bühne zu stehen war atemberaubend. Damals hab ich Haydns Cellokonzert gespielt, heute bin ich sehr gespannt, wie es sein wird, Dvořáks Cellokonzert zu spielen. Denn mit einem Kammerensemble oder einem richtigen Sinfonieorchester aufzutreten, ist doch ein großer Unterschied. Ich freue mich also sehr darauf, heute eine neue Seite des Saals kennen zu lernen.

Das Gebäude ist magisch.

Gautier Capuçon

Das komplette Finale des Konzerts ist ein einziger langer letzter Atemzug, in dem das Cello immer tiefer fällt, die Musik gleichsam stirbt, bevor sie dann in den Himmel aufsteigt.

Gautier Capuçon

Mit dem Gustav Mahler Jugendorchester spielst du Dvořáks Cellokonzert. Was fasziniert dich gerade an diesem Konzert?

Das Konzert ist eines der berühmtesten Konzerte für Cello, wenn nicht sogar auch das wichtigste für uns Cellisten. Die Architektur des Stücks ist unglaublich, es ist fast wie eine Sinfonie. Man spürt deutlich den Einfluss, den Amerika auf Dvořák gehabt hat, als er das Stück schrieb. Was ich besonders an dem Konzert mag, ist die Geschichte, die hinter diesem Werk steht.

Dvořák hatte das Konzert beinahe fertig komponiert, als er die Nachricht bekam, dass seine Schwägerin im Sterben liegt. Sie und er standen sich sehr nahe, es heißt, sie seien heimlich ineinander verliebt gewesen. Natürlich hat ihn das schwer getroffen. Er konnte sie nicht mehr sehen, bevor sie starb, er konnte sich nicht verabschieden. Er sitzt also fest in Amerika, und was macht er? Auf der letzten lange Partiturseite seines Cellkonzert ergänzt er einen Hauch dieser geheimen Liebe. Das komplette Finale des Konzerts ist ein einziger langer letzter Atemzug, in dem das Cello immer tiefer fällt, die Musik gleichsam stirbt, bevor sie dann in den Himmel aufsteigt. Das ist einfach magisch.

Was sind deine Lieblings-Aufnahmen dieses Konzerts?

Oh, da gibt es viele. Viele Einspielungen liebe ich aus ganz unterschiedlichen Gründen. Das fängt bei denen von Rostropowitsch an, geht weiter mit Yo-Yo Ma und natürlich Jacqueline du Pré, Leonard Rose, Pierre Fournier. All diese Cellisten bewundere ich zutiefst.

Cello

Du warst schon oft in Hamburg. Hast du einen Lieblingsplatz?

Also ich muss sagen, der Blick vom Wasser aus auf die Elbphilharmonie ist ein ganz besonderer. Hamburg ist eine tolle Stadt. Einen Lieblingsort habe ich hier noch nicht, aber gestern war ich an der Alster joggen. Das Wetter war toll, viele Spaziergänger waren dort unterwegs, Familien auf den Wiesen, viele mit ihren Boten auf dem Wasser. Das war wirklich eine ganz besonders schöne Atmosphäre.

Dein Konzert in der Elbphilharmonie gehört zum Elbphilharmonie Sommerprogramm. Was mach für dich den perfekten Sommertag aus und welche Musik passt besonders gut dazu?

Vielleicht gibt es da keine perfekte Musik. Stille würde am besten passen. Stille ist manchmal die schönste Musik, finde ich. Wir leben in einer Welt, in der ständig irgendwo Musik oder Lärm ist, Stille ist da manchmal das schönste. Ein perfekter Sommertag wäre ein Tag mit meiner Familie in den Bergen oder am Meer, ganz entspannt und fröhlich, einfach ein Moment, den wir alle gemeinsam teilen.

Interview: Julia Mahns

Stille ist manchmal die schönste Musik.

Gautier Capuçon

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