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5 Fragen an Carla Bley

Die Jazz-Ikone über ihren Ruf als Chamäleon, ihre erste Begegnung mit Jazz und welche vier Regeln auf der Bühne gelten.

Carla Bley gilt als einer der originellsten Köpfe des Jazz. Die heute über 80-jährige Komponistin und Pianistin schuf einen gigantischen Fundus an Werken und Arrangements für die einflussreichsten Jazz-Kollegen von den Sechzigern bis in die Gegenwart. Oft vom Klavier aus leitete sie sämtliche Besetzungen vom Trio übers Sextett bis zur Big Band. Ihren Jazz nennt die Fachpresse geistreich, hypermodern und frei von Stil-Zwängen. Carla Bley sagt bei alledem: »Ich verstehe Musik nicht im Geringsten«.

Carla Bley
Carla Bley © Una Stade

Carla Bley live

Am 30. September 2019 gastiert das Carla Bley Trio in der Laeiszhalle.

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Zur Reihe »Jazz Piano«

Der Journalist Wolfgang Sandner bezeichnet Sie als das »monströseste Chamäleon, das der Jazz kennt«. Sehen Sie sich selbst auch als eine Art musikalisches Chamäleon?

Ich bin Komponistin. Man kann das Komponieren als Dienst am Interpreten betrachten, zumindest ist das eine Möglichkeit. Und vor diesem Hintergrund ist eine veränderliche Identität eine große Stärke. Mein bester Freund Steve Swallow behauptet dagegen manchmal, dass ich stur und unflexibel sei.

Die Jazz

Jazz war die längste Zeit eine rein männliche Angelegenheit. Das ist vorbei.

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Sie haben nicht nur für sich, sondern auch viel für andere komponiert – für Jimmy Giuffre, George Russell, Art Farmer, Gary Burton, Charlie Haden …

Ich hatte das Glück, dass meine Musik den Weg zu einigen bemerkenswerten Künstlern gefunden hat. Denn ein gutes Musikstück braucht einfühlsame Spieler, die ihm Leben einhauchen.

Ihr Vater war Kirchenmusiker, Sie sind mit Kirchenliedern aufgewachsen. Wie sehr haben diese Anfänge Sie geprägt? Und wie sprang der Funke vom Jazz über?

Ich habe als Erwachsene immer versucht, meine frühen musikalischen und anderweitigen Erfahrungen mit der Kirche hinter mir zu lassen. Aber es ist mir nicht gelungen. Ein Teil der Kirchenmusik, die mir als Kleinkind begegnete, ist enorm kraftvoll. Das musste ich anerkennen. Als ich dann 13 oder 14 Jahre alt war, stellte mir der Bruder meiner besten Freundin Sylvia eine Aufnahme des Bandleaders und Jazz-Perkussionisten Lionel Hampton vor. Diese Musik sprach sofort, und, wie sich herausstellte, mit nachhaltiger Wirkung zu mir.

Carla Bley Trio (Jarasum Jazz Festival 2018)

Später arbeiteten Sie im legendären New Yorker Jazzclub Birdland als Cigarette Girl [Zigarettenverkäuferin], wo sie unter anderem den berühmten Free-Jazz-Pianisten Paul Bley trafen, Ihren späteren Ehemann. Wie erlebten Sie ihn damals – und wie gelang Ihnen selbst der Sprung auf die Bühne?

Paul Bley spielte sehr gut, was umso bemerkenswerter war, weil er nie übte. Er brachte mich dazu, wieder Klavier in der Öffentlichkeit zu spielen, um unsere Miete mitzufinanzieren. Erste Bühnenerfahrung sammelte ich aber früher, als junge Teenagerin. Ich spielte als Barpianistin in Berklee und Monterey, Kalifornien, und begleitete für kurze Zeit auch eine Folksängerin.

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Frauen im Jazz

In der Elbphilharmonie treten Sie im Trio mit Steve Swallow und Andy Sheppard auf, das seit über 25 Jahren besteht. Hat sich Ihr Zusammenspiel in dieser Zeit verändert? Und gibt es feste Regeln, wenn Sie zusammen spielen?

Ich denke, unser Trio hat im Laufe der Zeit seine Identität gefunden. In gewisser Weise haben wir uns überhaupt nicht verändert. Wir haben einfach gelernt, uns mit unserer eigenen Stimme auszudrücken. Je mehr wir uns gegenseitig vertraut haben, desto freier wurde unser Spiel. Und unsere Regeln sind: nicht rauchen, nicht spucken, nicht fluchen. Und die Kleider anbehalten.

Carla Bley Trio
Carla Bley Trio © unbezeichnet

Interview: Laura Etspüler, Stand: 12.08.2019

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