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5 Fragen an Alan Gilbert

Was bewegt den neuen Chefdirigenten des NDR Elbphilharmonie Orchesters kurz vor Antritt seiner Amtszeit?

Vom allerersten Moment an hatten wir eine direkte Verbindung, ein starkes Gefühl der Vertrautheit.

Alan Gilbert

Ab der Saison 2019/20 ist der New Yorker Alan Gilbert der neue Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Mit der NDR Opening Night am 6. September 2019 beginnt nicht nur seine Amtszeit, sondern auch das Festival »Klingt nach Gilbert«, in dem er Werke, die ihn persönlich begeistern, mit dem Orchester ergründet. Vorab hat er uns ein paar Fragen zum Klang des NDR Elbphilharmonie Orchesters und seinen Gefühlen kurz vor Amtsbeginn beantwortet.

Herr Gilbert, erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Mal am Pult des NDR Elbphilharmonie Orchesters?

Ich erinnere mich sogar überraschend deutlich, das war 2001, liegt also schon eine ganze Weile zurück. Vom allerersten Moment an hatten wir eine direkte Verbindung, ein starkes Gefühl der Vertrautheit. Als Dirigent war ich damals noch nicht sonderlich erfahren, wusste also gar nicht so genau, was ich von dem Orchester erwarten kann. Ehrlich gesagt: Ich war ganz schön nervös, aber die Chemie stimmte einfach.

Alan Gilbert
Alan Gilbert © Peter Hundert

Zehn Jahre waren Sie dann Erster Gastdirigent, nun kommen Sie als Chefdirigent zurück. Das ändert alles, oder?

Auf jeden Fall macht es einen großen Unterschied. Ich habe mittlerweile Kinder und sehe, wie meine Eltern mit ihnen umgehen. Das kann man ganz gut vergleichen: Als Großeltern kümmert man sich hin und wieder um die Enkel, vor allem kann man mit ihnen die schönen Dinge erleben. Man hat nicht die Aufgabe, sie zu erziehen und manchmal auch zu disziplinieren. Als Gastdirigent hat man ungefähr den Job, den Großeltern mit ihren Enkelkindern haben. Als Chefdirigent kann ich mir hingegen nicht nur die Rosinen rauspicken, muss an grundlegenden Entwicklungen arbeiten, zum Beispiel an Fragen des Stils oder der »musikalischen Gesundheit« eines Orchesters.

Als Chefdirigent kann ich mir nicht nur die Rosinen rauspicken...

Alan Gilbert

Der Dirigent Alan Gilbert

  • 1995-1997: Assistent Conductor von Christoph von Dohnányi beim Cleveland Orchestra
  • 2000-2008: Chefdirigent der Königlichen Philharmoniker Stockholm
  • 2004-2015: Musikdirektor der Oper von Santa Fe
  • 2004-2015: Erster Gastdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters
  • 2009-2017: Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra
  • Ab 2019: Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters

Ab 6. September 2019 im Handel:

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Welchen »persönlichen« Klang hat das NDR Elbphilharmonie Orchester, was macht seine Persönlichkeit aus?

Mir fällt es schwer, über Klang zu reden. Dabei geht es um Farben, aber auch um Emotionen und Charakter. Was ich aber sagen kann: Wenn ich mit dem Elbphilharmonie Orchester zum Beispiel Brahms spiele, spüre ich eine große Tiefe, etwas Beseeltes, das ich nicht bei jedem Orchester finden kann.

»Tube Talk« mit Alan Gilbert

Alan Gilbert

Alan Gilbert © Peter Hundert

Doch noch eine Frage zum Klang: Ihre Amtszeit in Hamburg beginnt mit dem dreiwöchigen Festival »Klingt nach Gilbert« – wie klingt Gilbert denn?

Der Titel bezieht sich vor allem auf eine Auswahl von Musik, die ich mag, zu der ich eine persönliche Verbindung spüre. Werke, die mich selbst begeistern. Dieses Repertoire möchte ich gemeinsam mit dem Orchester erkunden.

Mehr zum Festival: Klingt nach Gilbert

In einem Interview haben Sie kürzlich gesagt, dass wir in einer gefährlichen Zeit leben. Wie sollen, wie müssen wir in diesen Zeiten Musik machen?

Es geht darum, dass wir künstlerisch ein Statement setzen, dass wir überlegen, wie sich die Kultur für Menschlichkeit einsetzen kann. Es geht darum, voranzuschreiten – und nicht zurück, wie uns einige Politiker glauben machen wollen. Ich werde da sehr leidenschaftlich, wenn ich mir ansehe, was gerade auf dieser Welt los ist.

Interview: Björn Woll

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