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5 Fakten zu Venedigs Musikgeschichte

Venedig gilt als bedeutendes Zentrum der europäischen Musikgeschichte – aber warum eigentlich?

Bis weit in die Renaissance zurück reicht die beeindruckend ereignisreiche Musikgeschichte der Stadt Venedig. Mehr noch: Sie prägte über Jahrhunderte die gesamteuropäische Musiktradition.

1. Das erste öffentliche Opernhaus der Welt

1637 öffnete das erste öffentliche Opernhaus in Venedig seine Pforten, das Teatro San Cassiano. Bis dahin waren kostspielige Opernaufführungen nur dem Adel vorbehalten gewesen, nun konnten auch Bürger in ihren Genuss kommen. Wie auch im berühmten Teatro La Fenice gab es ringsum Logen, die man mieten konnte, sowie Stehplätze im Parkett.

Es setzte ein regelrechter Boom ein; zeitweise existierten rund 20 Opernhäuser in der Stadt. Komponisten wie Antonio Vivaldi und Johann Adolph Hasse lieferten ständig neue Stücke. Die venezianische Oper wurde so zum Anziehungspunkt für Sänger, Komponisten, Librettisten und sorgte außerdem für eine steigende Anzahl von Venedig-Touristen. Noch 300 Jahre später ließen Verdi, Donizetti und Bellini ihre Opern gerne in Venedig uraufführen.

Teatro La Fenice
Teatro La Fenice © Museo Correr

2. Der Markusdom

Osterfestival »Venedig«

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Der Markusdom wurde ursprünglich als Privatkapelle für den Dogen erbaut, das Staatsoberhaupt der Republik Venedig. Seinen Namen trägt er wegen der Gebeine des Evangelisten Markus, die die Venezianer aus Alexandria entführt hatten. Die Kirche ist außergewöhnlich prächtig gestaltet: Den Innenraum bedeckt das größte Mosaik der Welt. Und natürlich musste auch die Kirchenmusik hier stets höchsten Ansprüchen genügen.

San Marco, Innenansicht
San Marco, Innenansicht

So wurde 1403 eine Singschule gegründet, die schnell zu den besten Europas avancierte. Geleitet wurde sie von prominenten Domkapellmeistern wie Adrian Willaert, Andrea und Giovanni Gabrieli oder Claudio Monteverdi. Schon früh kam man auf die Idee, eine architektonische Besonderheit der Kirche zu nutzen: Der Chor wurde aufgeteilt und auf gegenüberliegenden Emporen in den Seitenschiffen platziert. Mit dieser »Mehrchörigkeit« ließen sich spektakuläre Raumklang-Effekte erzeugen, die als Vorläufer des Surround-Sounds gelten können.

Venedig

Venedig - Die Playlist zum Festival

3. Erfindung des Notendrucks

Nach Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg dauerte es nicht lange, bis die neue Technik auch für die Musik nutzbar gemacht wurde. 1498 erhielt der Venezianer Drucker und Verleger Ottaviano Petrucci das Patent für den Notendruck mit beweglichen Bleilettern. Sein Procedere war ziemlich aufwendig: Er druckte in mehreren Schritten erst die Notenlinien, dann den Text und zuletzt die eigentlichen Noten.

Später kamen seine Nachfolger auf die Idee, Noten und Linien in einem Druckelement zusammenzufassen. Das war zwar wirtschaftlicher, weil man einen Druckvorgang sparte, erzeugte allerdings unschöne Lücken in den Linien. Nichtsdestotrotz war Venedig für Jahrzehnte das europäische Zentrum des Notendrucks. Nach Petrucci ist heute die größte Online-Datenbank für Noten benannt.

Musikdruck von Ottaviano Petrucci
Musikdruck von Ottaviano Petrucci

4. Die ersten Musikkonservatorien

Einen bedeutenden Beitrag zum Musikleben Venedigs leisteten seit Ende des 16. Jahrhunderts die Ensembles der vier großen Heime für Waisenmädchen. Die dort gegründeten Chöre und Orchester wurden von renommierten Musiklehrern unterrichtet und waren europaweit für ihre Virtuosität berühmt. Neben der Mitgestaltung von Gottesdiensten und Staatsakten gaben sie regelmäßig öffentliche Konzerte und waren eine Attraktion für Einwohner und Besucher.

Der wohl berühmteste Lehrer war Antonio Vivaldi, der am Ospedale della Pietà wirkte. Seine Schülerinnen müssen auch nach heutigen Maßstäben hervorragende Musikerinnen gewesen sein, denn er schrieb zahlreiche hochvirtuose Solokonzerte für sie. Der Ruhm der Waisenhäuser wuchs dadurch so sehr, dass bald venezianische Eltern versuchten, ihre Kinder dort zur Schule anzumelden. So entwickelten sich die Ospedali mit der Zeit zu Vorläufern der heutigen Musikkonservatorien.

Chiesa della Pietà, Venedig
Chiesa della Pietà, Venedig © Moonik / wikimedia commons

5. Instrumentenbau

Schon im Laufe des 15. Jahrhunderts hatten venezianische Instrumentenbauer ihre Techniken perfektioniert, denn vor allem Saiteninstrumente waren zu dieser Zeit im nördlichen Europa gefragt. So stieg Venedig – neben Cremona und weiteren Städten – zu einem wichtigen Zentrum für den Bau von (hauptsächlich Streich-)Instrumenten auf. Viele Werkstätten hatten Verträge mit dem Markusdom und den Ospedali und produzierten, verkauften, reparierten und verliehen Instrumente. Zu legendären Instrumentenbauern gehören, die um 1700 tätig waren, zählen Matteo Goffriller, Domenico Montagnana und Pietro Guarneri. Ihre Instrumente werden heute auf Auktionen zu extrem hohen Preisen bis in den Millionenbereich gehandelt.

Lauten und Rebec, (Bellini: Pala di San Giobbe, 1487)
Lauten und Rebec, (Bellini: Pala di San Giobbe, 1487) © Von Warburg / wikimedia commons

Autor: Julia Mahns

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